Auslöser für das Projekt war ein Brand, nach dem die traditionsreiche Bäckerei ihre Produktion vorübergehend auf mehrere Standorte verteilen musste. Mit dem Neubau führt die Böhli AG nun Produktion, Lagerung und Verkauf wieder an einem Ort zusammen. Das schafft nicht nur kürzere Wege und effizientere Abläufe, sondern bietet zugleich die Chance, die Energieversorgung von Grund auf zukunftsfähig zu gestalten. Bühler + Scherler begleitet dieses anspruchsvolle Vorhaben von der Bedürfnisanalyse bis zur Inbetriebnahme, Abnahme und Übergabe an die Bauherrschaft mit einer durchdachten Elektroplanung, einer Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher und einem intelligenten Energiemanagement.
Im Oktober 2025 erhielt Bühler + Scherler den Planungsauftrag für die neue Produktionsstätte. Bereits zwei Monate später starteten die ersten Arbeiten. Gemeinsam mit dem Kunden analysierten wir die betrieblichen Bedürfnisse, definierten die Projektziele und entwickelten darauf aufbauend verschiedene Konzeptvarianten.
Aktuell befindet sich das Projekt in der Ausführungsplanung. Auf der Baustelle setzt der Elektroinstallateur auf Grundlage unserer Pläne die erforderlichen Einlegearbeiten in Bodenplatten und Wänden um. Die Inbetriebnahme der neuen Produktionsstätte ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Die richtige Dimensionierung dank fundierter Daten
Eine wichtige Grundlage der Planung bildete die detaillierte Aufnahme der bestehenden Produktionsstätten. Dabei dokumentierten wir sowohl die vorhandenen Anlagen als auch die betrieblichen Abläufe. So stellen wir sicher, dass der Neubau mindestens den bisherigen Standard erfüllt und gleichzeitig gezielte Verbesserungen ermöglicht. Zusätzlich analysierten wir die elektrischen Lastgänge der bestehenden Betriebe. Dadurch konnte der erforderliche Netzanschluss bedarfsgerecht definiert werden. Eine unnötige Überdimensionierung lässt sich so vermeiden und damit auch unnötige Investitions- und Anschlusskosten.
Solarstrom selbst produzieren und nutzen
Ein zentrales Ziel der Bauherrschaft ist es, einen möglichst hohen Anteil des selbst erzeugten Solarstroms direkt im Betrieb zu nutzen. Im Vordergrund steht dabei die Optimierung des laufenden Betriebs: Energie soll möglichst dann zur Verfügung stehen, wenn sie in der Produktion benötigt wird. Dadurch lassen sich sowohl der Strombezug aus dem Netz als auch die damit verbundenen Kosten reduzieren.
Ein wesentlicher Bestandteil des Energiekonzepts ist deshalb die Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. Die Photovoltaikmodule werden nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Ost-, West- und Südfassade angebracht. Dadurch verteilt sich die Stromproduktion breiter über den Tagesverlauf. Gleichzeitig können die Fassadenmodule auch im Winter Energie erzeugen, wenn die Sonne tief steht oder die Dachflächen zeitweise mit Schnee bedeckt sind.
Damit die Anlage nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich überzeugt, berechnete unser Team die Stromgestehungskosten und stellte die erwarteten Einsparungen sowie mögliche Opportunitätserlöse transparent dar. Auf Basis der aktuellen Planungsannahmen wird für die Gesamtanlage aus Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemanagement mit einer Amortisationszeit von rund fünfzehn Jahren gerechnet. Nach der Inbetriebnahme lässt sich das Zusammenspiel der Anlagen anhand realer Betriebsdaten weiter optimieren. Werden zusätzliche Optimierungspotenziale erschlossen, kann sich die erwartete Amortisationszeit voraussichtlich auf etwa zehn bis fünfzehn Jahre verkürzen.
Für den modular aufgebauten Batteriespeicher kommen Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) zum Einsatz. Diese Technologie vereint eine hohe Speicherkapazität auf vergleichsweise kleinem Raum mit einem besonders hohen Sicherheitsniveau. Dank ihrer hohen thermischen Stabilität reagieren LFP-Zellen im Fehlerfall weniger empfindlich auf Überhitzung als andere Lithium-Ionen-Technologien. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die lange Lebensdauer: Der Speicher ist auf bis zu 10’000 Ladezyklen ausgelegt. Gleichzeitig ermöglicht die Technologie hohe Lade- und Entladeleistungen. Dadurch kann Energie schnell aufgenommen und bei Bedarf ebenso rasch wieder zur Verfügung gestellt werden.
Trotz der hohen Sicherheit der eingesetzten Zelltechnologie stellte die Installation im Gebäudeinneren besondere Anforderungen an den Brandschutz. Die Planung erfolgte deshalb in enger Abstimmung mit dem zuständigen Brandschutzverantwortlichen. Im Ereignisfall muss der Batterieraum von der Feuerwehr von aussen geflutet werden können, ohne dass Einsatzkräfte den Raum betreten müssen.
Auch bei der Auslegung steht Flexibilität im Mittelpunkt. In der ersten Etappe wird der Speicher mit rund zwei Dritteln der vorgesehenen Kapazität und einem Drittel der maximal möglichen Leistung realisiert. So bleiben die anfänglichen Investitionskosten überschaubar, ohne spätere Erweiterungsmöglichkeiten einzuschränken. Nach der Inbetriebnahme kann die Anlage anhand realer Betriebsdaten weiter optimiert und bei Bedarf mit geringem Aufwand ausgebaut werden, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.
Energiemanagement reduziert Leistungsspitzen
Die Analyse der bestehenden Lastgänge zeigte deutlich, dass hohe Leistungsspitzen einen wesentlichen Einfluss auf die Netznutzungskosten haben. Um diese Spitzen gezielt zu reduzieren, planen wir ein Energiemanagementsystem, kurz EMS, mit integriertem Lastmanagement. Messgeräte erfassen fortlaufend die relevanten Energieflüsse. Auf Basis dieser Daten koordiniert das EMS die angeschlossenen Verbraucher und den Batteriespeicher über verschiedene Schnittstellen. Es glättet den Lastverlauf, reduziert Leistungsspitzen und hilft damit, die Netznutzungskosten nachhaltig zu senken. Gleichzeitig sorgt das System dafür, dass ein möglichst grosser Anteil des vor Ort produzierten Solarstroms direkt im Betrieb genutzt wird. So verbessert sich die Energieeffizienz der gesamten Produktionsstätte und wirtschaftliche sowie ökologische Ziele greifen sinnvoll ineinander.
Solche Lösungen sind insbesondere für Betriebe interessant, deren Energieverbrauch durch hohe Lastspitzen geprägt ist. Durch das gezielte Glätten dieser Spitzen können sie ihre Netznutzungskosten reduzieren. Potenzial besteht zudem bei Betrieben mit grossen Photovoltaikanlagen, die zeitweise mehr Strom produzieren, als unmittelbar verbraucht werden kann. Statt diesen Überschuss vollständig ins Netz zurückzuspeisen, lässt sich ein Teil davon im Batteriespeicher zwischenlagern und beispielsweise während der Nacht für den eigenen Betrieb nutzen. Ob und in welcher Dimension sich eine solche Lösung wirtschaftlich lohnt, muss anhand des individuellen Last- und Erzeugungsprofils beurteilt werden.
Präzise Planung für eine effiziente Umsetzung
Um eine effiziente Ausführung zu ermöglichen, erstellt unser Team detaillierte Pläne und Schemas. Die dreidimensionale Koordination mit den Fachplanern für Heizung, Lüftung, Klima und Sanitär hilft, Kollisionen frühzeitig zu erkennen und Mehrkosten zu vermeiden.
Auch während der Bauphase bleibt Bühler + Scherler eng in das Projekt eingebunden. Unsere Fachbauleitung koordiniert die Arbeiten, überwacht die Termine und kontrolliert kontinuierlich die Qualität der Elektroinstallationen. Eine laufende Kostenkontrolle sorgt zudem für Transparenz und erhöht die Kostensicherheit für die Bauherrschaft.
Begleitung über den Bauabschluss hinaus
Unser Engagement endet jedoch nicht mit dem Bauabschluss: Im Rahmen eines Beratungs- und Optimierungsmandats unterstützen wir den Kunden auch im laufenden Betrieb. Die gewonnenen Energie- und Betriebsdaten ermöglichen es, die Anlagen schrittweise weiterzuentwickeln und langfristig möglichst wirtschaftlich und effizient zu betreiben.
Mit der neuen Produktionsstätte schafft die Bäckerei Böhli die Grundlage für effizientere Prozesse, eine sichere Energieversorgung und weiteres Wachstum. Wir freuen uns, dieses zukunftsweisende Projekt mit unserer Erfahrung in der Elektro- und Energieplanung begleiten zu dürfen.
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Daniel Hitz, Projektleiter Elektroplanung SG
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